Komponist, Pianist, Hochschullehrer
Rudi Spring wurde 1962 in Lindau am Bodensee geboren und starb völlig unerwartet am 28. Dezember 2025.
Nach einer ersten umfangreichen Ausbildung in Bregenz studierte er Komposition und Klavier in München. Seit Mitte der 1980er Jahre war er als Komponist, Pianist und vor allem als Liedbegleiter, aber auch als Dirigent und Vortragender tätig. Zeitlebens blieb München sein Arbeitsmittelpunkt, wo er über mehrere Jahrzehnte eine hoch angesehene Liedklasse leitete, die immer wieder durch eine besondere Repertoirepflege jenseits der ausgetretenen Pfade auf sich aufmerksam machte. Für seine großen pädagogischen Verdienste wurde ihm eine Honorarprofessur verliehen.
Sein beeindruckendes Werkverzeichnis umfasst 101 Opusnummern mit mehreren hundert Einzelwerken. Mit Ausnahme des Musiktheaters und größer dimensionierter Orchesterwerke finden sich Werke zu allen instrumentalen und vokalen Gattungen. Besonders beeindruckend ist auch die große Bandbreite der Interpret:innen seiner Musik. Diese reicht vom einstimmigen Kirchenchor einer befreundeten Gemeinde bis hin zum Münchener Kammerorchester. Allen diesen Adressaten konnte er mit seiner Musik gerecht werden.
In den letzten Jahren verlagerte sich sein Schaffenschwerpunkt zunehmend auf vokale Formen. Auch hier ist der Reichtum und zugleich die ungeheure Präzision seines musikalischen Vokabulars bewundernswert: Das Spektrum reicht vom chansonhaften Lied bis zu groß angelegten, höchst anspruchsvollen Zyklen.
Rudi Springs Werk ist eng verknüpft mit seinen zahlreichen kammermusikalischen Partner:innen, wie beispielsweise der Sängerin Salome Kammer und der Cellistin Jessica Kuhn. Für diese Besetzungen schrieb er unzählige Werke, die seine stets sorgsam komponierten Konzertprogramme komplettierten.
Ein Verzeichnis seiner bis 2024 entstandenen Werke ist beim Verlag 433 zu finden.
Anlässlich seines 60. Geburtstags erschien das Buch Rudi Spring. Komponist, Pianist, Pädagoge, das seinen Werdegang und eine Reihe seiner Werke detailliert darstellt und Beiträge von vielen seiner Weggefährten enthält. Ein ausführlicher Nachruf ist in neue musikzeitung enthalten.
Rudi Springs Tod reißt eine große Lücke – gerade in einer Zeit, in der die zeitgenössische Musik vielen großen Herausforderungen gegenübersteht, ist seine Haltung umso beeindruckender: sich unbeirrbar dem eigenen Ideal und den eigenen hohen Ansprüchen zu stellen, auch wenn dies manchmal der steinigere Weg ist. Uns zurückgebliebenen Weggefährten bleibt sein reiches musikalisches Œuvre als Auftrag und Inspiration.